Ist Arbeit gesund? - Wortmeldung KDA Hannover

,.Berufstätigkeit schafft Selbstbestätigung und Anerkennung. Sie ist damit eine wichtige Basis für die psychische Gesundheit." Dieter Hundt, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeit-geberverbände (BDA) bezieht Stellung zu den Ursachen psychischer Leiden Berufstätiger. ,.Dass Arbeit psychisch krank macht, ist falsch", denn Arbeitslose seien von psychischen Erkrankungen viermal häufiger betroffen als Erwerbstätige. Vielmehr sieht Hundt die wesentlichen Ursachen ,.in genetischen und entwicklungsbedingten Faktoren, im familiären Umfeld, im Lebensstil und im Freizeitverhalten".
Arbeitnehmerorganisationen reagieren empört. Sie sehen den hohen Anstieg psychischer Erkrankungen in gesundheitsfeindlichen Arbeitsplatzbedingungen begründet. Nicht ob jemand Arbeit hat, sondern wie in den Betrieben mit Arbeitnehmern umgegangen wird, sei entscheidend.
Also wäre die spannende Frage: Wann macht Arbeit eigentlich krank - und wann hält sie gesund?
Arbeit gibt dem Tag Struktur, stiftet Lebenssinn und ermöglicht soziale Kontakte. Aber unter problematischen Bedingungen kann Arbeit zu psychischen Erkrankungen beitragen, und das oft in Kombination aus privaten und beruflichen Belastungen. Gefährdet sind Menschen, wenn eine dauerhafte Fehlanpassung zwischen Anforderungen und der Person besteht oder ein Missverhältnis von Verausgabung und Belohnung. Dies betrifft gerade prekär Beschäftigte, die nicht mehr entscheiden können, ob und wie viel sie arbeiten, die an Abenden und Wochenenden jobben müssen ohne Perspektive, dass sich ihr Zustand jemals grundlegend verbessert.
Ob jemand durch Arbeit psychisch erkrankt, hängt auch von der Persönlichkeit ab. Gefährdet sind Berufstätige, die extrem ehrgeizig, leistungsorientiert und perfektionistisch sind. Ihr Vertrauen in andere ist eingeschränkt, für alles muss es einen Plan geben, der jegliche Fehler ausschließt. Außerdem wird es problematisch, wenn Menschen mit sehr hohen Idealen auf Bedingungen treffen, in denen sie ihre Vorstellungen nicht umsetzen können - zum Beispiel Produktionsverantwortliche, die ihre Qualitätsansprüche zurückstellen müssen, oder wenn Pflegekräfte mit gesteigerter Neigung zur Verausgabung unter eng getakteten Zeitvorgaben arbeiten.
Was muss geschehen, damit Beschäftigte gesund bleiben, welche Bedingungen müssen erfüllt sein, damit Arbeit nicht krank macht?
Wenn Menschen mehr Verantwortung in ihrer Tätigkeit übernehmen sollen, brauchen sie Entscheidungsspielräume und Teilhabe. Dazu bedarf es richtiger und umfassender Informationen. Kommunikationswege müssen transparent sein und Entscheidungsprozesse standardisiert. Zustimmung und Ablehnung muss ohne Repressalien gewährleistet sein - auch im Interesse der Vorgesetzten, die auf Erfahrung, Rückmeldung und Kritik ihrer Mitarbeiter angewiesen sind.
Betriebliche Gesundheitsprophylaxe mit Anti-Stress-Training und Rückenschule ist vorbildlich, jedoch - auch aus sozialethischen Gesichtspunkten - nur wirksam, wenn über den Rücken hinaus der ganze Mensch im Blick ist. Er braucht die Erfahrung von Gerechtigkeit, die ihm den Rücken stärkt, statt dass man ihm in den Rücken fällt.

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